Niedrige Temperaturen, hoher Unterhaltungswert. Drei Mal lag das DFB-Team hinten, drei Mal glich Krisen-Klose a. D. aus. In bester “Was-interessiert-mich-mein-Geschwätz-von-gestern”-Manier werden hier und da jetzt sicherlich einige zurückrudern und ein Loblieb á la “Wir sind Klose” anstimmen. Gut Ballmaschine will eben Weile haben!
Kloses seltsame Wiederentdeckung des Torriechers
Und so sah es auch im WM-Qualifikationsspiel in Helsinki 38 Minuten nicht unbedingt danach aus, dass Klose nach Schlusspfiff uniso als großer Retter der deutschen Elitekicker gefeiert wird. Viel eher roch es nach einer Auswechslung zwischen der 60. und 70. Minute und vielen bohrenden Fragen an Klöschen und Löwchen. Zu wenig nahm der Bajuware bis dahin am Spiel, Pressing und Chancen verwerten teil. Irgendwie genügte dann eine gelunge Aktion in besagter 38. Minute, um die Torschusspanik der vergangenen Wochen zu vertreiben und später sogar noch zwei weitere Male eine finnische Führung für Jogis Jungs zu egalisieren. Ob Miro nun zum neverending Salto ansetzt und wieder alte Treffsicherheit beweist, müssen die kommenden Spiele zeigen. Immerhin aber bescherten seine Treffer Deutschland in einem sonderbaren Spiel einen Punkt in Finnland. Und auch nach Schlusspfiff sorgte Miro Kloses Dreierpack zum Highlight des TV-Geschehens.
Löws Waldi heißt nicht Kerner
So sah sich Löw nach Kerners Aufforderungen zur Lobhudelei von Miro auch durch etliche Wackeldackel-Kopfbewegungen des Moderators nur schwerlich genötigt, etwas möglichst Platitüdenhaftes in die Kameras zum Besten zu geben. Dass man auf der heimischen Couch indes kurzzeitig einen schwarzwälder Schwinger in des Moderators Magengrube erwarten durfte, wie an verschiedenen Stellen gemutmaßt wurde, kann ich nicht unbedingt teilen.
Joachim Löw ist heute irgendwie noch nicht runtergekommen. Der watet immer noch in Adrenalin und macht den Eindruck dass er dem Kerner gleich eine reinhaut. Kerner fragt nach Klose und seinen drei Toren. Löw starrt ihn an und zuckt mit den Schultern. Kerner hakt nach: “Klose?”. Löw starrt ihn weiter an, nickt kurz. Kerner gestikuliert stumm mit den Händen um noch weitere Wörter aus Löw herauszuziehen und Löw würgt sich schließlich irgendwas von “Trainer haben manchmal doch ‘ne Ahnung vom Fußball” heraus.
Mich erinnerte indes wenig an Rudi Völlers Adrenalin geschwängerte Kurzatmigkeit und den starren Blick anno 2003 nach dem Spiel bei den Brasilianern des Nordatlantik. Was sich in Island bei Tante Käthe in Käse, Mist und Weizenbier (vielleicht ein guter Titel für eine hoffentlich nie erscheinende Fortsetzung von Idiotenfilm “Feuer, Eis und Dosenbier”?)-Tiraden gegenüber Waldi Hartmann entlud und in die Ägide der PK-Moments erhoben wurde, war in Finnland nicht mehr als die kurze Stille vor keinem Schuss. In meinen Augen einfach ein extrem lässige Reaktion Löws, auf das Anschneiden eines Themengebietes, auf das er partout keine Böcke hat. In der Politik hätte man von Aussitzen gesprochen und es wäre über Monate gegangen. Im Fernsehen bescherte uns diese Strategie knapp 30 Sekunden Unterhaltung der Extraklasse in quasi-stummfilmform. Nicht mehr, nicht weniger (ab 1:25 Min kann man sich ein Bild hiervon machen).
Verrückter Mittwoch: Luxemburg macht Schweiz lächerlich, Dänen drehen verlorengeglaubtes Spiel in Portugal
Neben dem 3:3 zwischen Deutschland und Finnland hatte der gestrige Spieltag noch weitere Perlen zu bieten. Inzwischen kann jeder verstehen, warum Ottmar Hitzfeld bei seinem Abschied aus München so hemmungslos flennte. Er muss wohl damals schon geahnt haben, was der Einstand als Trainer der Nati für ihn bereit hält. Nach dem Last-Minute-Ausgleich in Isreal kann er sich nach seiner Heimspielpremiere gegen Luxemburg eine Blamage historischen Ausmaßes ans Revers heften. Au weia, Schweiz!
In Lissabon überschlugen sich derweil die Ereignisse in den letzten zehn Minuten und Danish Dynamite brachte den ewigen Turnierfavorit Portugal zum Stürzen. Nach Nani ging es Schlag auf Schlag.
1:0 Nani (42.), 1:1 Bendtner (84.), 2:1 Deco (86./Foulelfmeter), 2:2 Poulsen (90.), 2:3 Jensen (90.)
Bleibt zu hoffen, dass sich die sympathischen Dänen endlich mal wieder über den gesamten Verlauf der Qualifikation torhungrig präsentieren und sich nicht wieder einmal mit Nullnummern gegen Malta, Albanien oder ähnliche Leuchten ins Knie schießen.
Was gab es sonst noch? England legt in souveräner Manier das Trauma von Wembley beim 4:1 in Kroatien ab, Domenech bleibt Trainer Frankreichs. Zumindest wohl bis zum nächsten Spiel.


Endlich! Dieses unreflektierte mediale Hochhypen von Klose nach drei Buden gegen Finnland ging mir schon wieder aufn Sack. Schön, dass ab jetzt wieder die Minuten ohne Tor gezählt werden können.
Kommentar by John — 14. September 2008 @ 13:34