29. Dezember 2009

Celebrity Deathmatch: „Motzki“ Sammer vs den „netten Herrn“ Löw?

– Author: Gastbeitrag – 20:15

Im Zuge der anstehenden Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw beim DFB bis 2012, die im Januar fixiert werden soll, hat sich wieder ein Mann ins Gespräch gebracht, dem seine Rolle als Sportdirektor beim größten Sportverband der Welt und seine Auftritte als Experte bei Sky anscheinend nicht zur vollsten Auslastung gereichen. Immer wieder, so auch bereits unter Löw-Vorgänger Klinsmann, schaltet sich der Feuerkopf in die Debatten um die Zukunft des Flagschiffs ein. Doch was auf den ersten Blick nach atmosphärischen Störungen und Spannungen klingt, ist in Wirklichkeit nicht viel mehr als viel Wirbel um nicht viel mehr als nichts.

Dass Jogi Löw nach der erfolgreichen und souveränen Qualifikation für die WM im neuen Vertragswerk nun mehr Kompetenzen vor allem im Bereich der U21 („alleiniger Zugriff“) eingeräumt werden sollen und er demnach noch mächtiger innerhalb des DFB wird, kann einem Mann wie Sammer, der zeit seiner aktiven Karriere als unglaublich ehrgeizig und konfliktfreudig gilt, nicht wirklich schmecken. Dass die Öffentlichkeit gerne auf dieses öffentliche Gerangel anspringt und versucht, Gräben zu schaufeln, ist ebenso verständlich wie unvermeidbar. In der Sache jedoch hat Sammer recht, wenn er davor warnt, sich nach den jüngsten Erfolgen der U17, U19 und U21, die allesamt 2009 die kontinentale Krone eroberten, zurückzulehnen.

Unweigerlich kommen Erinnerungen daran hoch, als „Kaiser“ Franz nach dem WM-Triumph 1990, ganz im Sinne seines damals regierenden politischen Pendants Helmut Kohl („blühende Landschaften“), die Unbesiegbarkeit der deutschen Nationalmannschaft „auf Jahre“ proklamierte. Spätestens bei der Europameisterschaft 2000 kam dann das bittere Erwachen und die teure Rechnung für all die Versäumnisse. Stillstand ist Rückschritt, diese simple Formel gilt gerade im schnelllebigen Fußball-Business mehr denn je.

Sammer fürchtet nichts mehr als das Ausruhen auf erworbenen Lorbeeren, sich einschleichendes Kuschelklima und versucht deshalb bereits jetzt, in Zeiten des offensichtlichen Erfolges, vorzubauen und zu warnen. „Das für sportliche Erfolge notwendige kritische Klima, die konstruktive Auseinandersetzung haben wir vernachlässigt“, sagte Sammer unlängst und griff dabei auch explizit Kevin-Prince Boateng an. Dieser weise, im Gegensatz zu seinem Bruder Jerome, „Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung“ auf. Dass KP seinerseits nun öffentlich im „Kicker“ zurückschlägt („Er kennt mich nicht persönlich“) ist sein gutes Recht, die Signalwirkung jedoch, die von Sammers Worten ausgehen, ist unmissverständlich: „Wir beobachten eure Entwicklung aufmerksam und kritisch. Seid euch nie zu sicher!“

Doch auch der „nette Herr Löw“ ist in Wirklichkeit gar nicht so konfliktscheu wie gerne in der Öffentlichkeit suggeriert wird. Man erinnere sich nur an seine öffentliche Abmahnung an Kapitän Michael Ballack nach dessen Unverständniserklärungen auf die Nichtnominierung seines „Busenfreundes“ Torsten Frings, der im Übrigen bis heute keine Rolle mehr in den Planungen spielte. Auch die ultimative Suspendierung von Kevin Kuranyi nach seiner spontanen Stadionflucht kann durchaus als Drohsignal an etwaige Nachahmungstäter und Muskelspiel verstanden werden. In diesem Sinne sind sich Sammer und Löw also sehr ähnlich, daher verwundern die komplett konträren Images umso mehr. Beide scheinen ein Glücksgriff für den deutschen Fußball zu sein und so bleibt zu hoffen, dass sich die häufig fälschlicherweise als Antagonisten wahrgenommenen Protagonisten auch künftig symbiotisch ergänzen.

Marc Strasser schreibt für Betfair.

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