Nein, so gänzlich titelwürdig war sie noch nicht, die Darbietung der deutschen Nationalmannschaft im EM-Auftaktspiel gegen Portugal. Das mühsam erkämpfte 1:0 über Cristiano Ronaldo und Co firmiert zweifelsohne unter der Rubrik „Arbeitssieg“.
Wenig bis nichts gab es zu bestaunen von der spielerischen Leichtigkeit, mit welcher „Jogis Jungs“ vor etwas mehr als einem halben Jahr gegen die Niederlande und Brasilien zauberten. Trotz permanten Ballbesitzes vermochte es das Team nicht, sich mehr als eine wirklich klare Torchance herauszuspielen – diese freilich wusste Mario Gomez eiskalt zu nutzen.
Immerhin überzeugte die oft gescholtene Defensive. Vor allem die „Wackelkandidaten“ Mats Hummels und Jerome Boateng rechtfertigten ihre Aufstellung durch ebenso couragiertes wie fehlerfreies Auftreten. Als es dann doch mal richtig brenzlig wurde vor dem deutschen Tor, zeigte Manuel Neuer, warum man ihn für einen der besten seines Faches hält. Kurz vor Schluss sicherte der Bayern-Torwart den knappen Vorsprung mit einer Klasseparade gegen den eingewechselten Silvestre Varela. Und das gibt Anlass zu jeder Menge Optimismus.
Die Mühsal der ersten Begegnung
Es hat Tradition, dass Deutschland sich schwer tut, in eine Europameisterschaft hineinzufinden. Seit 1980 die Endrunden im Gruppenmodus ausgetragen werden, gelangen hiesigen Vertretungen – das diesjährige Portugal-Spiel außen vor gelassen – lediglich drei Siege. Das mutet bescheiden an, hält man sich vor Augen, dass DFB-Teams immer qualifiziert waren, und somit acht Auftaktspiele absolviert haben.
Umso mehr Hoffnung sollten Statistikgläubige gleichwohl aus der erfolgreichen Ouvertüre gegen die Iberer ziehen. Immer nämlich, wenn die deutsche Elf zu Anfang gewann, wurde im Endeffekt das Finale erreicht. 1980 besiegte die von Jupp „Häuptling Silberlocke“ Derwall trainierte Truppe in Rom die Tschechoslowakei dank Kalle Rummenigges Treffer mit 1:0. Zehn Tage später sorgte Horst Hrubesch an gleicher Stätte mit zwei Toren für den 2:1-Sieg im Endspiel über Belgien.
16 Jahre zogen ins Land, ehe eine schwarz-rot-goldene Auswahl erneut im ersten Turniermatch reüssieren konnte. Christian Ziege und Andi Möller schossen „Bertis Buben“ im altehrwürdigen Old Trafford zum 2:0 über Tschechien. Im Finale von Wembley standen sich wiederum dieselben Mannschaften gegenüber. Nach Patrik Bergers verwandeltem Foulelfmeter drehte der heutige Teammanager Oliver Bierhoff die Partie. Kurz nach seiner Einwechslung köpfte er zunächst einen Ziege-Freistoß in die Maschen. In der Verlängerung gelang ihm gar das erste „Golden Goal“ der Historie – und machte folglich den bis heute letzten großen Triumph einer deutschen Nationalmannschaft perfekt.
Früher Bierhoff, gestern Poldi – heute Gomez?
Vor vier Jahren schließlich trug sich Lukas Podolski in die Annalen der Fußballgeschichte ein. Ausgerechnet gegen sein Geburtsland Polen traf der damalige Münchner doppelt. Dem souveränen 2:0 zum Auftakt folgte ein durchwachsener Wettbewerb, an dessen Ende die Löw-Elf dennoch im Endspiel stand. Dort erwiesen sich freilich die Spanier als zwei Nummern zu groß, und ließen der deutschen Mannschaft bei ihrem 1:0-Erfolg (Torschütze: Fernando Torres) buchstäblich nicht den Hauch einer Chance.
Auch die diesjährige Turniereröffnung der Deutschen könnte mit einem Heldenepos für künftige Retrospektiven aufwarten. Der bis dahin glücklos agierende Gomez, im DFB-Dress spätestens seit seinem legendären Fehlschuss gegen Österreich vor vier Jahren kritisch beäugt, wäre in der 72. Minute eigentlich schon nicht mehr auf dem Platz gewesen. Einzig die pedantische Betulichkeit des vierten Offiziellen verhinderte eine frühere Einwechslung Miroslav Kloses. Alsdann ebnete der Schwabe mit iberischen Wurzeln den Weg zum Sieg. Schenkt man der Statistik Glauben, führt dieser Weg am 1. Juli nach Kiew.






Christian
Ich fand besonders die letzten 20 Minuten nach dem Führungstor besorgniserregend. Selten hat eine deutsche Mannschaft einen Vorsprung so unsouverän verteidigt. Ich hätte Reus als Konterspieler gebracht für Özil. Der Ballvortrag insgesamt und das “Ball halten” muss zwingend besser werden, wenn das Gesetz der erfolgreichen Premiere dann auch dieses Mal in Kraft treten soll.