Guys, you made me fall in love with a Freundschaftsspiel

Was sind das für Menschen, die Freundschaftsspiele gucken? Sport im Allgemeinen und Fußball im Speziellen bedeutet Wettkampf, Kräftemessen, kurz Adrenalin bis zur Hutschnur. Nur in dieser exzessiven Form entwickelt der Fußball bei mir seinen besonderen Zauber. Freudschaftsspiele? Braucht kein Mensch!

Sicherlich finde ich den Fallrückzieher von Zlatan Ibrahimovic im “Who cares?”-Spiel gegen England im vergangenen Herbst für sich betrachtet beindruckend, unglaublich, arschcool, aber wird er jemals gegen die Strahlkraft des Fallrückziehertores von Klaus Fischer zum 3:3 im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich anstinken können? Nein, nein, nochmals nein!

Nichts geht über den Tunnelblick vor KO-Spielen

Osnabrück gegen Babelberg im Drittliga-Alltag thrillt mich mehr als ein mannschaftsinternes Weltklasse-Duell von Philipp Lahm und Franck Ribery um die güldene Ananas. Es ist nicht so, dass ich Freundschaftsspiele als sinnlos ansehe. Sie müssen sein, um zu testen, zu experimentieren, sich dosiert zu messen, einfach um eine Standortbestimmung zu haben. Und doch wäre ich nie bereit, sportartübergreifend für ein Freundschaftsspiel Eintritt zu bezahlen, der ja gerade beim Fußball auch nicht unbedingt unerheblich ist. Warum Fernsehsender hierfür horrendes Geld bezahlen und jede noch so kleine Randnotiz dieses letztlich bedeutungslosen Spektakels in 5 Stunden Sendezeit sezieren, ist mir unbegreiflich. Gut, wenn ich zu Hause bin und nichts besseres läuft, gucke ich mir auch gerne Freundschaftskicks im Fernsehen an, meist aber nur halbinteressiert und immer bereit die Flimmerkiste auszuschalften und ins Kino zu gehen/Bier zu trinken/Backgammon zu spielen, wenn jemand anruft und diesen oder einen ähnlichen Vorschlag einbringt. Es fehlt einfach die Essenz an Bedeutung und Weltschmerz, die eine Niederlage in einem Wettbewerbsspiel nach sich zieht. Die einen in den Tunnel zieht und schon Stunden und Tage vor einem KO-Spiel unruhig werden läßt. So ist es immer gewesen.

Bis gestern. Bis ich René Adler sah. Der ballte Fäuste, pushte sich, legte den Wettkampfblick auf und sang voller Inbrunst die Hymne mit. Ohne die Hymnen-Scheißhausparolen-Diskussion aufzugreifen zu wollen, aber Adler strahlte einfach in jeder Situation aus, dass er nichts anderes wollte, als dieses Spiel zu gewinnen. Vielleicht lag es daran, dass er einige Jahre weg zum gelobten Land namens Nationalelf war. Doch nicht nur Adler, das ganze Team zeigte eine beeindruckende Kombination aus Grasfresserei und taktisch-technischer Hochkultur mit einem Umschaltspiel zum mit der Zunge schnalzen.

Verliebt in die Achse Gündogan, Müller und Özil

Dieses wurde in Perfektion von Gündogan, Müller und Özil angekurbelt und als Kollektiv gelebt. Garniert mit genialen Momenten, die man früher nur von Zidane nicht aber von deutschen Kickern sehen durfte. Joachim Löw können die obligatorischen Freundschaftsspielabsagen nicht mehr schrecken. Er hat das Jahr 2013 zum Jahr des Konkurrenzkampfes ausgerufen, das heißt für alle Beteiligten Vollgas, sofern sie in einem Jahr in Brasilien im Sommer 2014 eine tagende Rolle spielen möchten. Auch so bekam das Spiel seinen ganz eigenen Wettkampfcharakter. So kann ich mir ein Länderspiel ohne Gündogan seit gestern gar nicht mehr vorstellen – wahrscheinlich zumindest bis zur Rückkehr von Reus und Co.

Am Ende des gestrigen Abends stand ein 2:1-Sieg bei ebenfalls spiel- und lauffreudigen Franzosen. Dass es dabei der erste Sieg in Frankreich seit Anno Weißkohl war und der erste Auftaktsieg in einem Länderspieljahr seit Was-weiß-ich, sind belanglose Zahlen. Das “Wie” machte einfach verliebt in dieses Team.

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