0:1 liest sich deutlich moderater als 1:4. Dennoch war das Spiel der Deutschen gegen Argentinien aber zumindest in der Offensive ebenso kläglich wie in jenem mittlerweile fast schon legendären Spiel in Florenz, dem dann schlappe drei Monate später eine überaus erfolgreiche Heim-WM 2006 folgte. Vielleicht wäre eine richtige Klatsche gegen Diegos Albiceleste gar nicht das Schlechteste gewesen, um die Stammspieler aus Ihrem behüteten Kokon zu holen und den Verband mal wachzurütteln, dass Pleiten, Pech und Prozesse den Erfolg der Mission ans Kap der Guten Hoffnung nachhaltig gefährden könnten.
Der Würfelbecher ist umgekippt. René Adler wird laut Bundestorwarttrainer Andreas Köpke voraussichtlich das deutsche Tor am Kap der Guten Hoffnung hüten. Natürlich unter der Voraussetzung, dass er verletzungsfrei bleibt und nicht noch große Böcke im Bundesliga-Spielbetrieb schießt.
Jogi Löw kümmerte sich unter der Woche vor allem um inspektorische Aufgaben. Nachdem der Trubel um die nicht erfolgte Vertragsverlängerung etwas abgeebbt ist, nahm der Bundestrainer in Sun City am Workshop der WM-Trainer teil, erkundete das WM-Quartier bei Pretoria und äußerte leise Bedenken bezüglich des Zustands der ansässigen Trainingsplätze. Am Freitag wird er schließlich seinen Kader für das richtungsweisende Länderspiel gegen Argentinien am kommenden Mittwoch in München benennen. Egal ob im 4-4-2 oder im 4-5-1, die Doppel 6 ist elementarer Baustein der DFB-Elf und gilt spätestens seit der Verletzung von Simon Rolfes als neuralgischer Punkt.
Um eine klare Ansage war der Manager Uli Hoeneß nie verlegen und dies scheint er auch als Bayern-Präsident beibehalten zu wollen. So bezeichnete der bajuwarische Chef-Grantler bei einer Ehrung im Münchener Rathaus laut SPON die WM-Vergabe an Südafrika als “eine der größten Fehlentscheidungen” von Fifa-Chef Joseph Blatter. Diese Meinung hat Hoeneß mit Sicherheit nicht exklusiv, er weicht damit aber deutlich von der Sichtweise Franz Beckenbauers, Jogi Löws und der allgemeinen Wortwahl des DFB ab.
„Wir gehören sicherlich nicht zu den Top-Favoriten“, sagte Bundestrainer Joachim Löw am Montag in einem Kicker-Interview und schraubte damit die Erwartungshaltung vor der WM im Sommer erstmals öffentlich nach unten. Hauptgrund für die etwas überraschende Einschätzung ist die mangelnde Doppelbesetzung auf allen Positionen. In der Vergangenheit war das DFB-Team noch mit dem Anspruch in die Turniere gestartet, den Titel zu gewinnen. Für das Großereignis in Südafrika indes favorisiert Löw Brasilien, Argentinien, England und Europameister Spanien und erwartet physisch stark auftretende Afrikaner.
Nachdem der tödliche Anschlag auf den Mannschaftsbus der Nationalmannschaft Togos, bei dem drei Mitarbeiter des Betreuerstabs getötet wurden, im Vorfeld des Afrika-Cups das sportliche Geschehen in den Hintergrund rückte, äußert Bundestrainer Joachim Löw keinerlei Sicherheitsbedenken für die anstehende WM in Südafrika. In einem Interview mit der Sportbild kritisiert er dagegen die teilweise horrenden Preise der Reiseveranstalter für das anstehende Großereignis und sieht darin die größere Ursache für den schleppend verlaufenden Vorverkauf.
Jetzt hat Jogi Löw in Sachen Torsten “Lutscher” Frings doch tatsächlich die klare Kloßbrühe aufm Herd gestellt und die aleas auf den Tisch geiactat. Das Kontrastprogramm für Torsten Frings lautet im kommenden Sommer also Samos statt Südafrika, Shuffelboard statt Schusstraining.
Ob dieser monatelange Eiertanz notwendig war, steht aber in einem anderen Buch. Und wenn Löw schon beim Ausmisten des Mittelfeldes ist, möchte man ihn geradezu innigst darum bitten, Granaten wie Hitzlsperger und Trochowski ebenso vom leidigen Castingdruck zu erlösen. So als vertrauensfördernde Maßnahme für den gemeinen Fan eben.
Die Suche nach einer Copycat von Serbien wurde erfolgreich abgeschlossen und hört auf den Namen Bosnien-Herzegowina. Das Spiel gegen das Team um die Bundesligaspieler Dzeko, Misimovic, Salihovic und Ibisevic soll am 3. Juni 2010 in Frankfurt stattfinden. Drei Tage später geht es dann gen Kap der Guten Hoffnung.